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Vertraue deiner inneren Stimme 

Gerade als Pilger-Neuling lässt man sich oft verunsichern und hat Angst etwas falsch zu machen. Selbst oder gerade auf dem Camino gibt es viele (selbsternannte) „richtige Pilger“ und Meinungen wie man zu Pilgern hat. 

TIPP: Es ist dein Weg und es gibt in meinen Augen kein richtiges oder falsches Pilgern,
sondern nur die eigene Wahrheit und was sich für dich richtig und gut anfühlt, egal:

  • ob das nun die Länge der Etappe angeht
  • oder ob es nun auch mal dran ist ein Stück mit dem Bus zurückzulegen,
  • oder nicht in der Herberge zu schlafen und sich lieber ein EZ in einer Pension wählt.

DESHALB: Deine eigene innere Stimme und der Camino führen dich, und nicht die allgemeinen Meinungen anderer!

2

Achte auf deine Körpersignale

Viele ignorieren die ureigenen Signale des Körpers und gehen über ihre eigenen Grenzen hinweg. Im Laufe des Weges ist es sicherlich auf der anderen Seite wichtig die eigenen körperlichen Grenzen zu erweitern, da man mehr schafft als man denkt –
dieses Erweitern basiert aber in Verbindung und Wahrnehmung mit den eigenen Körpersignalen.

TIPP:  Auf jedes Körper Signal wie z.B. leichtes drücken am Fuß reagieren und nicht in den Schmerz hineinlaufen und diesen dadurch verstärken.

3

Nimm deinen Rhythmus bewusst wahr

Nach all dem sorgfältigem Planen startet man nun voller Vorfreude und Spannung in sein eigenes Pilgerabenteuer gehen viele Pilger in den ersten Tagen auf dem Camino zu schnell und in zu großen Etappen an. Man möchte zu schnell zuviel und nimmt seinen eigenen Körperrhythmus nicht wahr und oftmals übergeht man diesen, weil man ihn noch gar nicht kennt.

TIPP: In den ersten drei Tage empfiehlt es sich die Tagesetappen langsam zu steigern und den eigenen Rhythmus kennenzulernen und zu finden.

Eine empfehlenswerte Einstiegsvariante wäre z.B.

  • am ersten Tag   15km
  • am zweiten Tag   18km und
  • am dritten Tag   20km

Auf diese Art und Weise verhindert man, dass man am Anfang seinen Körper überbeansprucht und findet so gleichzeitig seinen eigenen  Tages- und auch Laufrhythmus.

4

Pilgere mit leichtem Gepäck

wahrscheinlich Fehler Nummer 1. Man nimmt zu viel Sachen mit, von denen man meint sie unbedingt zu brauchen.

FAUSTREGEL: Der Rucksack sollte nicht mehr als 1/10 des eigenen Körpergewichts betragen.
BEISPIEL: Bei einem Mann mit 80kg Körpergewicht sollte der Rucksack 8kg nicht überschreiten.
ODER: Nimm vom dem, was du glaubst zu brauchen die Hälfte mit!

ODER noch einer: Einen erfahrenen Pilger erkennt man an seinem leichten Gepäck.

5

Denke an die richtigen Schuhe

Entweder sind die Schuhe nicht richtig ein gelaufen oder zu klein und verursachen so nun Druckstellen,
was zu Schmerzen, Blasen oder anderen Verletzungen führen kann. Zwangspausen bis hin zum Abbruch des Camino-Abenteuers können die Folgen sein.

INFO: Bei einer mehrtägigen oder gar wochenlangen Pilgerschaft treten andere Belastungen auf, als bei täglichen Spaziergängen oder beim Joggen. Die Außentemperaturen in Spanien und Portugal können weit über 30 Grad sein, was dazu führt,
dass sich der Fuß ausdehnt und größer wird (Immer eine Nummer größer kaufen). Ebenso sind die Körperbelastungen, durch das erhöhte Gesamtgewicht (+Rucksack) höher.

TIPP: Wer sehr gut eingelaufene Schuhe hat und diese auch schon unter verschiedenen  Anforderungen getragen hat, ist mit diesen meistens sehr gut bedient.

6

Vorabtraining und Dehnübungen

Wenn Du die Möglichkeit hast und auch die entsprechende Zeit vor deinem Camino hast, ist es mehr als ratsam ein paar Wochen zuvor mit einem Lauftraining zu beginnen. Dieses dann immer mehr zu steigern und schlussendlich auch mit seiner geplanten Ausrüstung eine mehrtägiges „Probe-Pilgern“ abzuhalten.
Vor jedem Training empfiehlt es sich den Körper auf die Belastungen mit entsprechenden Dehnübungen vorzubereiten und die Muskeln und Sehnen aufzuwärmen.

7

Ausreichend trinken

Gerade bei längeren Etappen und entsprechend heißen Aussentemperaturen, wie sie oftmals in Spanien und Portugal vorherrschen, solltest Du ausreichend trinken und nie ohne eine Wasserflasche im Gepäck lospoltern. Erkundige Dich auch, vor allem bei langen Etappen wie sie z.B. auf der Via de plata in Spanien zu finden sind wie die Trinkwasserversorgung unterwegs ist.

8

Notreiseproviant und Geldreserve

Eine eiserne Reserve, sowohl in Form von Proviant (Salami oder Eiweissriegel) und eine Geldreserve von 50-100€ haben sich mehr als bewährt und als sinnvoll herausgestellt. Gleichzeitig nimmt es nicht viel Platz im Rucksack ein, gibt einem aber ein gewisses Gefühl von Sicherheit.

9

Verwende Funktionswäsche

Im Gegensatz zu herkömmlichen T-Schirts und unterwasche aus Baumwolle oder ähnlichem, empfiehlt es sich Funktionswäsche für das Pilgern zuzulegen.
Der Hauptvorteil liegt an der schnellen Dry-Funktion, d.h. nach dem Waschen ist die Funktionswäsche (bei entsprechenden Aussentemperaturen) innerhalb kürzester Zeit wieder trocken und Du kannst am nächsten Tag wieder mit einem frischen T-Shirt etc. loslegen.

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Vertraue auf den Weg

Eine alte Pilgerweisheit besagt, dass Dir der Weg immer und  zu jeder Zeit alles gibt was immer du brauchst. Manchmal (des öfteren) kann es durchaus sein, dass Du Dir etwas anderes vorstellst und mit Dir und den umständen haderst. Sehr viel später wird Dir aber ein größerer Zusammenhang klarer und der Groschen flott, dass alles genau so sein musste, aus eine ganz bestimmten Grund.

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Sei offen & bleib bei dir

Sei offen für deine Umgebung und auch Andere und bleibe gleichzeitig bei dir. Das ist irgendwie die ganz große Kunst, vor allem auf dem Camino kann man das sehr gut üben. Vor allem wenn sehr viele Pilger unterwegs sind und man sich schwer abgrenzen kann, möchte man irgendwie immer und überall dabei sein.
TIPP: Versuche auch nicht zu sehr mit der Onlinewelt Dich zu beschäftigen, sie kann dich neben allem hilfreichen, was sie so zu bieten hat, auch sehr von dir und deinem Weg abbringen. 

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Plane sorgfältig & lasse dann los

Eine gute Vorbereitung und Planung ist durchaus sinnvoll und empfehlenswert. Eine gewisse Zeiteinteilung und auch Etappenplanung ist unserem heutigen Zeit die Normalität. Lasse aber unterwegs deine Pläne immer mehr mit dem Hier und jetzt sich abgleichen, also halte nicht allzu starr daran fest und gib dem ganzen die nötige Flexibilität. Dass kann soweit gehen, dass du nicht soviel schaffst, wie geplant und du mit dem Bus ein paar Etappen pilgerst. Was ich auch schon immer wieder erlebt habe von Mitpilgern, dass sie eine komplett andere Route nehmen, weil es sich einfach stimmiger anfühlt usw.